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Covacichs "Poetik des Unabombers" in deutscher Übersetzung (2004)


Mauro Covacich

Der gebürtige Triestiner Covacich debütierte 1993 mit dem Roman STORIE DI PAZZI E DI NORMALI (Geschichten von Verrückten und Normalen). Neben seiner vielfältigen journalistischen Tätigkeit (beim Corriere della sera, Panorama, usw.) veröffentlichte Covacich verschiedene Sammlungen von Erzählungen -
  • ANOMALIE (1998 bei Mondadori: Buchcover) und
  • LA POETICA DELL'UNABOMBER (1999 bei Theoria: Übersetzung von Covacich-Website) - und mehrere Romane:
  • L'AMORE CONTRO (Gegenliebe: Buchcover / Probeübersetzung),
  • A PERDIFIATO (Außer Atem, Mondadori 2003: Gutachten anfordern) und
  • FIONA (2005)
  • .
    Covacich verwendet einige der Elemente, mit denen die Kannibalen Furore gemacht haben; charakteristisch sind vor allem die Darstellung von Gewalt und Tristesse des Alltags. Der Autor ist Vertreter eines neuen 'Realismus', der kein Realismus sein will. Die Grenzen zwischen seinen Reise- und Kriminalreportagen einerseits und den Erzählungen andererseits sind ziemlich vage. Nahezu immer sind es Normalität und Trostlosigkeit der Figuren und Landschaften, aus denen Covacich seine außergewöhnliche Geschichten entwickelt.

    Norditalienischer Autostrich, verschlafene Siedlungen, improvisierte Straußenfarm, billige TV-Studios und Großraum-Diskothek sind die Schauplätze von L'AMORE CONTRO, einer Geschichte, in der am Ende nicht nur der älteste Olivenbaum der Toscana eines qualvollen Todes sterben muss.
    Die Peripherie einer nicht genannten Stadt, eventuell Sarajewo, bildet den Hintergrund zur Erzählung 'Un inizio' aus dem Band ANOMALIE. Covacich erzählt dort die Geschichte der Stadtrandbevölkerung inmitten des Krieges: Alltag zwischen Minen, fremden Soldaten und unter dem Beschuss von Heckenschützen. In 'Un altro inizio' kehren einige Szenen der Geschichte aus anderer Perspektive wieder. Einer der Heckenschützen, mittlerweile gefangengenommen, berichtet von seinem Tagesablauf in seiner Stellung, einem verlassenen Hochhaus.

    Die meisten Erzählungen des Autors spielen im norditalienischen Milieu, oft in Venezien, einer ökonomisch prosperierenden Region, die eigentlich niemand richtig kennt. Wer sich Massenbasis und Erfolg von Bossis 'Lega Nord' oder Berlusconis 'Forza Italia' bisher nicht erklären konnte, wird bei Covacich fündig. Wer immer noch einem romantischen Italien-Bild nachhängt, wird es spätestens bei der Lektüre dieses Autors verwerfen.

    Ob es hier jemals dazu kommen wird, steht allerdings in den Sternen, denn im deutschsprachigen Raum ist Covacich nahezu unbekannt. Übersetzungen sind meines Wissens bisher nicht geplant. Diesbezüglich Interessierte kontaktieren mich bitte per E-Mail oder Kontaktformular.
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