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AKTUELL:

Ammaniti liest in Hamburg (September 2008)
Cazzo che elettroshock!: Ammaniti-Aufsatz online zugänglich (2008)
Kommentierte Reclam-Ausgabe: "Io non ho paura" (2008)
Neuer Ammaniti-Roman: "Come dio comanda" (2006/08)


Niccolò Ammmaniti

Ammaniti ist Jahrgang 1966 und stammt aus Rom, wo er nach wie vor lebt. Statt sein Biologiestudium abzuschließen, beendete er 1994 seinen ersten Roman BRANCHIE (Kiemen; Probeübersetzung), eine absurd-phantastische Abenteuergeschichte, die in Rom und Indien spielt. Der Roman wurde drei Jahre später in Einaudis Reihe 'Stile libero' neu aufgelegt.

Nach der Veröffentlichung des Essays NEL NOME DEL FIGLIO (Im Namen des Sohnes; zusammen mit seinem Vater, einem bekannten Psychologen) folgte eine weitere Gemeinschaftsproduktion: die mit Luisa Brancaccio verfasste Erzählung SERATINA in der Anthologie GIOVENTÙ CANNIBALE. Die Geschichte ist, wie die teilweise extrem unterhaltsamen Erzählungen aus dem Band FANGO, zum größten Teil in Rom angesiedelt. Der Autor schildert das Rom der abhängenden Jugendlichen, der Dealer, der Prostituierten und des Bürgertums, zwischen Peripherie und gutgestellten, zentralen Vierteln, und stets roh und gewalttätig, voller witziger Dialoge und Ereignisse.

Mit dem längeren Roman TI PRENDO E TI PORTO VIA (1999, dt. Übersetzung von Ulrich Hartmann: 'Fort von hier', Goldmann: 2001 Leseprobe bei Random House), wechselt der Schauplatz wieder nach außen, ins nördliche Latium. Die (bis dahin für Ammaniti unüblichen) Protagonisten: zwei Schulkinder, ein heimgekehrter Playboy und eine merkwürdige Lehrerin. Doch auch hier finden wir Ammanitis 'Ästhetik des Aufpralls' (Rajewsky) wieder, die Verwandlung von Normalbürgern in gewalttätige Monster, und dazu tausende sich überkreuzender Geschichten.

Die Verlagerung ins Ländliche setzt sich mit dem kürzeren, im April 2001 erschienenen Roman IO NON HO PAURA (Ich habe keine Angst) fort. Schauplatz ist nun der extreme Süden, ein Nest von vier Häusern in Apulien. Der (bis Ende der siebziger Jahre, wo die Story angesiedelt ist) heißeste Sommer des Jahrhunderts ist der Hintergrund für eine Geschichte unter Jugendlichen, von denen einer eine schreckliche Entdeckung macht. Diese Entdeckung stellt sich im Laufe der Erzählung als genialer Ansatz heraus, die in Italien nicht wenig verbreitete Form der Geldbeschaffungsmaßnahme mittels (Kindes-)Entführungen in literarische Gestalt zu bringen. Ammanitis Sinn für Humor kommt in diesem Roman nicht zum Tragen; dafür ist hier ein anderes Merkmal von Ammanitis Schreibweise sehr ausgeprägt: Es gelingt dem Autor, und das ist vielleicht seine bedeutendste Stärke, moralisch nicht Stellung zu beziehen.
Die deutsche Übersetzung des Romans kam Anfang 2003 als gebundene Ausgabe unter dem selten dummen Titel 'Die Herren des Hügels' bei Bertelsmann heraus (Übersetzer: Ulrich Hartmann Leseprobe bei Random House). Mittlerweile liegt die Übersetzung als Taschenbuch vor und heißt 'Ich habe keine Angst' - die nun wörtliche Übersetzung des Originaltitels könnte der Verfilmung des Stoffes durch Gabriele Salvatores zu verdanken sein. In Italien gewann der Roman den bedeutenden Premio Viareggio des Jahres 2001 und wurde sogar von Umberto Eco, der sonst angeblich kaum etwas Zeitgenössisches liest, lobend erwähnt.

Nach langen Jahren - unterbrochen durch die Erzählung (und spätere geniale Comic-Umsetzung) "Fa un pò male" sowie eine weitere Erzählung - kam im Herbst 2006 Ammanitis Roman COME DIO COMANDA (wörtlich: Wie Gott befiehlt; auch: Wie es sich gehört) heraus. Der Roman wird von einer Vater-Sohn-Beziehung durchzogen: Der Vater, Rino Zena, ist ein Schläger und Alkoholiker mit Nazi-Allüren, ein arbeitsloser Verlierer, immerhin jedoch Wortführer der lokalen Loser-Clique; der 13jährige Sohn Christiano, ohne gleichaltrige Freunde, eifert seinem Vater nach und wirkt dennoch eher kindlich. Der wichtigste Handlungsfaden, der Plan des Vaters und zweier Kumpel, einen Geldautomaten zu plündern, erinnert an die versuchte kollektive Geldbeschaffungsmaßnahme von IO NON HO PAURA. Um das Vorhaben herum gruppieren sich dann weitere, recht Ammaniti-typisch miteinander verwobene Geschichten, die stilistisch und stimmungsmäßig eher mit TI PRENDO E TI PORTO VIA vergleichbar sind.
Schauplatz der Handlung ist Varrano, eine meines Wissens nicht wirklich existierende Ortschaft, gelegen in einer trostlosen Ebene, vermutlich irgendwo im Norden Italiens. Passend zum Roman, wenn auch sicher unabhängig voneinander, existiert ein virtuelles "Village and Castle of Varrano", und zwar im Online-Spiel "Necromonium - Where Death is a Way of Life" - vgl. www.necromium.com/zonelist/varrano.php. Wenn man das Motto des Online-Spiels umkehrt: Wo das Leben eine Art (zu) Sterben ist, kommt man dem Gesamtbild, das im Roman von den Verhältnissen gezeichnet wird, recht nahe. Die einzelen Begebenheiten werden jedoch, wie nahezu immer bei Ammaniti, aus personaler Perspektive erzählt, und die Analogie von Leben und Sterben ist nicht als Zombie-Metapher für so etwas wie die Abwesenheit von Gefühlen zu verstehen. Vielmehr weckt COME DIO COMANDA Emotionen und lässt die Leser bis zur Apokalypse mitfiebern.

Ammanitis Veröffentlichungen
  • La figlia di Siva, in: La giungla sotto l'asfalto. Ediesse 1993. (Online-Version auf der offiziellen Ammaniti-Website.)
  • Branchie. Einaudi 1997. (Seit 1997 in Einaudis Reihe Stile libero, davor, dh. 1994 unter dem Titel "branchie!" bei Ediesse, dort mit Präsentation durch Alberto Piccinini.)
  • Fango. Mondadori 1996. (Seit 1999 in der Reihe Piccola Biblioteca Oscar.)
  • La pizza posseduta, in: La bestia. Rivista di cultura diretta da Nanni Balestrini (= narrative invaders !, n. 1, 1997), S. 38-42. (Online-Version auf der offiziellen Ammaniti-Website.) .
  • Alba tragica, in: Tutti i denti del mostro sono perfetti. Mondadori 1997.
  • Anche il sole fa schifo. RAI (Centominuti) 1997.
  • Postfazione (= Nachwort), in: Joe R. Lansdale, La notte del drive-in. Einaudi 1998.
  • Il libro nero di Sanremo, in: Tuttolibri (Beilage der Tageszeitung La Stampa) 1998. (Online-Version auf der offiziellen Ammaniti-Website.)
  • Amore e politica al tempo della Lega, in: La Repubblica (12.07.1998). (Online-Version auf der offiziellen Ammaniti-Website.)
  • Astuzia da chirurgo, in: Caffè Europa.
  • L'ultimo capodanno dell'umanità. Mondadori. (Es handelt sich um eine Erzählung aus "Fango", s.o.)
  • Ti prendo e ti porto via. Mondadori 1999. (Ab 2000 in der Reihe Piccola Biblioteca Oscar.)
  • La ragazza che non aveva paura, in: La Repubblica (13.06.1999). (Online-Version auf der offiziellen Ammaniti-Website.)
  • L'amico di Jeffrey Dahmer è l'amico mio, in: Italia odia. Dieci volti del noir italiano, a cura di Daniele Brolli. Mondadori 2000.
  • Io non ho paura. Einaudi (stile libero) 2001.
  • Fa un pò male, in: Micromega 2002.
  • Come dio comanda. Mondadori 2006.
Gemeinschaftsproduktionen
  • mit Luisa Brancaccio: Seratina, in: Gioventù cannibale. La prima antologia italiana dell'orrore estremo, a cura di D. Brolli. Einaudi (stile libero) 1996, S. 5-44.
  • mit Jaime D'Alessandro: Enchanted Music & Light Records, in: Il fagiano Jonathan Livingstone - manifesto contro la new age. Minimum Fax 1998.
  • mit Massimo Ammaniti: Nel nome del figlio. L'adolescenza raccontata da un padre e da un figlio. Mondadori (Saggi), 1995.
  • mit Daniele Brolli und Davide Fabbri: Fa un po' male. Einaudi (stile libero) 2004.
  • mit Antonio Manzini: Sei il mio tesoro, in: Crimini. A cura di Giancarlo De Cataldo. Einaudi (stile libero) 2005.
Ammanitis Bücher sind - laut Klappentext aktueller italienischer Ausgaben - inzwischen in 44 Ländern übersetzt worden.

Deutsche Übersetzungen

   
  • Die letzte Nacht auf den Inseln (= L'ultimo capodanno dell'umanità). Übersetzer: Henry Arnold. München: Goldmann, 1998.
  • Fort von hier (= Ti prendo e ti porto via). Übersetzer: Ulrich Hartmann. München: Goldmann, 2001.
  • Die Herren des Hügels (= Io non ho paura). Übersetzer: Ulrich Hartmann. München: Bertelsmann, 2003. (Aus Taschenbuchausgabe unter dem Titel 'Ich habe keine Angst' erhältlich.)
NEU (2008): Kommentierte Reclam-Ausgabe

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  • Io non ho paura. Herausgegeben von Judith Krieg. Stuttgart: Reclam, 2008. (Ungekürzte italienische Textausgabe, mit deutscher Übersetzung schwieriger Wörter, informativem Nachwort und Literaturhinweisen.)