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Ludwig Bechsteins historische Novelle 'Die Babenberger' (1831) stellt Vorgeschichte, Begleitumstände, Verlauf und Auswirkungen eines "unseligen Krieges" [ 1 ] im 10. Jahrhundert dar. Der im Vergleich zu partiell themengleichen Volkssagen und Gedichten (DSB Nr. 822, GDS Nr. 468 , SBL Nr. 205 u.1057 [ 2 ] ) hohe Textumfang erlaubt es Bechstein, zusätzlich zum umfangreich erzählten Geschehen weite Teile der Novelle in direkter Rede, zumeist in Dialogen wiederzugeben. Wie sich bald herausstellt, stehen Bechsteins Dialoge jedoch nicht etwa für eine Form förderlichen oder erkenntnisreichen Gesprächs; im besten Fall sind sie Ausdruck von Unverständnis, in den schlechteren Fällen beinhalten und bewirken sie weitaus mehr: Lügen, Verrat, Krieg und Tod. |
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Die nach dem ersten Leseeindruck hohe Bedeutung von Rede in 'Die Babenberger' war mir Anlass, zu untersuchen, wie der Meininger Autor mit dem gesamten Komplex der Redewiedergabe in dieser frühen Bechstein- Novelle umgeht. Die Untersuchung zielt in zwei Richtungen:
Für den sprachwissenschaftlichen Teil dieser Arbeit liegt weitaus mehr Literatur vor. Termini wie direkte, indirekte und erlebte Rede gehören heute zum Standardrepertoire sprach- und literaturwissenschaftlicher Überlegungen und sind darüber hinaus - zumindest, was die ersten beiden Begriffe angeht - zu einem Teil der Allgemeinbildung geworden. Da in der vorliegenden Arbeit ein literarischer Text untersucht wird, bietet es sich an, aus dem weiten Angebot zuallererst die auch von Schmidt-Knaebel benutzte 'Textgrammatik der deutschen Sprache' Harald Weinrichs [ 5 ] zu Rate zu ziehen; seine Darstellung zur Redewiedergabe sei hier in aller Kürze zusammengefasst: |
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Weinrich betont eingangs den Sachverhalt, dass mit Begriffen wie direkter oder indirekter Rede eigentlich die Wiedergabe von Rede gemeint ist: von ihr spreche man dann, "wenn in ein Sprachspiel ein anderes Sprachspiel als Referenz eingebettet ist" (S. 895). Neben der besonderen Rolle, welche die Redewiedergabe in der erzählenden Literatur spiele, weist der Autor darauf hin, dass mit Rede "nicht nur lautsprachliche Äußerungen, sondern auch Bewußtseinsinhalte aller Art" (ebd.) gemeint seien. Nach der Besprechung eines literarischen Textes erläutert der Autor dann das Phänomen Referenzsignal - dazu gehören beispielsweise Kommunikationsverben wie 'sagen' - und drei vom Referenzsignal abhängige Formen der Redewiedergabe: direkte Rede (und innerer Monolog), indirekte sowie erlebte Rede. Die allgemeinen Zusammenhänge betreffend, äußern sich andere Autoren ähnlich wie Weinrich:
Grob gesagt, ist jede spätere Wiederanführung einer Äußerung oder des Inhalts einer Äußerung eine Redeerwähnung. [ 6 ] |
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Das war die Einleitung von: Figurenreden sind Silber, Erzählerreden sind Gold. Fiktive Redewiedergabe in L. Bechsteins Novelle 'Die Babenberger' Sie können jedoch auch zuerst mein Resümee lesen: |
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Die textlinguistische Untersuchung von Bechsteins Novelle Die Babenberger hat zunächst den ersten Leseeindruck eines (partiell sehr) hohen Vorkommens direkter Rede bestätigt. Die Arbeit hat zudem gezeigt, dass Bechstein zur sprachlichen Gestaltung von Redeanteilen darüber hinaus vorwiegend eine bisher wenig beachtete Sonderform indirekter Rede, die Redezusammenfassung, verwendet, während er die klassisch indirekte Rede eher selten und vorzugsweise für Nebenfiguren einsetzt. Direkte Redewiedergabe in dieser Novelle hat hauptsächlich die Funktion, fiktive Originaläußerungen möglichst exakt wiederzugeben, ohne allerdings auf eine Charakterisierung seitens des Erzählers zu verzichten. Die Zusammenfassung der Figurenrede dient vor allem dazu, verschiedene mit dem Reden verbundene Handlungen wie etwa Versprechen, Bitten oder Befehle in aller Kürze und Deutlichkeit aus Erzählerperspektive wiederzugeben. Die starke Erzählerrolle steigt in dem Maße an, wie die fiktiven Reden des Novellentexts nicht nur ausführlich wiedergegeben, sondern zusätzlich thematisiert werden. Die damit einhergehende Betonung menschlicher Rede ist geeignet, den Leser für das Reden der Figuren zu sensibilisieren und trägt damit zur Evokation einer skeptischen Haltung gegenüber der aus verschiedenen Gründen unheilstiftenden Rede des Novellenpersonals bei. Diese Sprachskepsis ist jedoch nicht grundsätzlicher Art; sie bezieht sich lediglich auf die Figurenrede in dieser Novelle, und sie bezieht sich vor allem nicht auf die bedeutendste sprachliche Instanz der Novelle, den Erzähler. Basis meiner Deutung war die statistische Erfassung der von Bechstein verwendeten Redewiedergabeformen. Die drei von mir untersuchten Redewiedergabeformen - von einer Betrachtung der hier eher nebensächlichen Formen innerer Monolog und erlebte Rede konnte ich absehen - haben sich insofern gegen eine einfache quantitative Erfassung gesperrt, als ein Charakteristikum der Redeformen ihr unterschiedlicher Umgang mit Textlänge ist: Eine Erhebung auf Basis nur der Zeilenanzahl ergäbe in Bezug auf die Frage, wie ausgiebig Bechstein verschiedenen Redewiedergabeformen nutzt, ein falsches Bild. Aus diesem Grund habe ich in Bezug auf das Vorkommen der Redewiedergabeformen ein kombiniertes Verfahren gewählt, d.h. es wurden sowohl Zeilen, als auch Belege gezählt. Die statistische Erhebung war geeignet, einen Überblick über Bechsteins Verwendung direkter und indirekter Redewiedergabeformen zu schaffen. Um demonstrieren zu können, wie der Autor diese Mittel im Einzelnen einsetzt, hat es sich als sinnvoll herausgestellt, vergleichsweise viele Textstellen ausführlich erläuternd zu untersuchen. Die auf diese Weise analysierten Passagen waren dazu geeignet, vorher getroffene Aussagen oder Vermutungen zu bestätigen und - vor allem, was die Genauigkeit angeht - zu ergänzen. Eine breite Textbasis war auch deshalb angebracht, da die Redezusammenfassung in der sprachwissenschaftlichen Literatur teils gar nicht, teils stillschweigend und teils unter anderen als den für diese Novelle relevanten Aspekten behandelt wird. So konnte ich mich, was die Zugehörigkeit zur indirekten Rede und die gleichzeitige Sonderrolle der Redezusammenfassung angeht, zwar auf Weinrichs Ausführungen zur Redeerwähnung stützen, alles weitere aber - inklusive einer charakterisierenden Bezeichnung - musste selbst entwickelt werden, so dass eine empirische Überprüfung meiner Annahmen anhand des literarischen Textes nicht ausbleiben durfte. Für die abschließend untersuchte Redethematisierung galten noch einmal andere Voraussetzungen: aufgrund fehlender formaler Merkmale wurde dort der engere Bereich textgrammatisch zu erfassender Redewiedergabe verlassen. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit bestehen m.E. darin, zum einen die quantitativ hohe Bedeutung einer allgemein eher wenig beachteten Redewiedergabeform, der Redezusammenfassung, in Bechsteins Novelle 'Die Babenberger' erfasst zu haben: eine drei- statt lediglich zweiteilige Unterscheidung der Redewiedergaben bedeutet zumindest in diesem Text auch eine qualitative, für die Deutung erkenntnisreiche Differenzierungsmöglichkeit. Zum zweiten ist es wahrscheinlich, dass die von mir getroffene Differenzierung auch bei der Betrachtung anderer Texte Erkenntnisgewinne zulassen wird. Wenn dem so sein sollte, wäre drittens zu hoffen, dass der quantitative und qualitative Stellenwert von Redezusammenfassung in der textgrammatischen Beschreibung der Redewiedergabeformen zukünftig stärker beachtet wird. |
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Das war das Resümee von: Figurenreden sind Silber, Erzählerreden sind Gold. Fiktive Redewiedergabe in L. Bechsteins Novelle 'Die Babenberger' |
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Fußnoten [ 1 ] Ludwig Bechstein: Die Babenberger, in: ders., Erzählungen und Phantasiestücke. Teil 1-4 in 2 Bänden. Stuttgart: Hallberger 1831, Band 2, S. 5-89, hier: 88. [ 2 ] DSB - Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Mit sechzehn Holzschnitten nach Zeichnungen von A. Ehrhardt. Leipzig: Wigand 1853; GDS - Jakob und Wilhelm Grimm: Deutsche Sagen. Band 2. Hg. von Hans-Jörg Uther. München: Diederichs 1993; SBL - Sagenbuch der Bayerischen Lande. Aus dem Munde des Volkes, der Chronik und der Dichter herausgegeben von A. Schöppner. München: Rieger 1851-53. In der Zählung anderer als der von mir benutzten Ausgabe trägt Grimms 'Adalbert von Babenberg' nicht die Nummer 468, sondern 462. [ 3 ] Klaus Schmidt: Untersuchungen zu den Märchensammlungen von Ludwig Bechstein. Leipzig: Eichblatt 1935, S. 5. [ 4 ] Alfred Fiedler: Ludwig Bechstein als Sagensammler und Publizist, in: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde 12 (1966), S. 243-66; Susanne Schmidt-Knaebel: Textlinguistik der einfachen Form. Die Abgrenzung von Märchen, Sage und Legende zur literarischen Kunstform der Novelle. Frankfurt am Main u.a.: Lang 1999; dieselbe: Erzählte Rede in zwei Bechstein-Novellen. Ein politisierter Romantiker auf dem Weg in den literarischen Realismus, in: Jahrbuch des Henneberg-Fränkischen Geschichtsvereins 16 (2001), S. 91-114. [ 5 ] Harald Weinrich: Textgrammatik der deutschen Sprache, unter Mitarbeit von Maria Thurmair u.a. Mannheim u.a.: Dudenverlag 1993. [ 6 ] Dieter Wunderlich: Sprechakte, in: ders. und Utz Maas, Pragmatik und sprachliches Handeln. Mit einer Kritik am Funkkolleg 'Sprache'. Dritte, korrigierte und ergänzte Auflage. Frankfurt am Main: Athenäum 1974, S. 161-88, hier: 161. Die im Zitat vorhandene zeitliche Einschränkung wird in Wunderlichs Text sogleich wieder aufgehoben. Was den Begriff angeht, benutzt der Autor neben Redeerwähnung ebenso Redewiedergabe (vgl. etwa S. 172). Wie ein Blick in die einschlägige Literatur zeigt, werden beide Begriffe synonym verwendet, wobei sich Redewiedergabe zunehmend durchzusetzen scheint. [ 7 ] Ewald Lang: Einstellungsausdrücke und ausgedrückte Einstellungen, in: Untersuchungen zur Semantik. Hg. von Rudolf Ruzicka und Wolfgang Motsch. Berlin: Akademie-Verlag 1983, S. 305-41, hier: 317. |
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Das waren die Einleitung und das Resümee von: Figurenreden sind Silber, Erzählerreden sind Gold. Fiktive Redewiedergabe in L. Bechsteins Novelle 'Die Babenberger' |
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